Dolly – das moderne Automower-Schaf

Automower Schaf

Heute ein Gastartikel von Herrn Dr. Klaus Günterberg

vielen Dank für den äußerst unterhaltsamen und lehrreichen Artikel 🙂

Ein Garten macht Arbeit, Rasen macht viel Arbeit und ein großer Rasen macht sehr viel Arbeit. So ist das auch bei uns. „Der Rasen müsste eigentlich wieder geschnitten werden“, mahnt Lucie. Lucie ist meine bessere Hälfte. Im Garten macht sie aber viel mehr als die Hälfte, eigentlich fast alles. Nur das Rasenschneiden überlässt sie gern mir.


So kam Dolly zu uns.

Automower 220 AC
(zugegeben… in diesem optischen Vergleich schneidet unser Automower eher durchwachsen ab…)

Mit ihrer Mahnung hat Lucie recht, das Gras ist schon wieder gewachsen. Aber eigentlich hatte ich heute etwas anderes vor. Und außerdem stehen da noch die Säcke vom letzten  Rasenschnitt und müssen zum Kompostierhof. Das feuchte Gras in den Säcken stinkt schon. So lade ich die Säcke erst einmal in das Auto. Nun stinkt auch das Auto. Also, Rasenschneiden und das Schnittgut zu entsorgen, sind schon lästig. Doch wer einen schönen Rasen will, sollte sich über die Mühe nicht beklagen. Aber da habe ich etwas von einem fleißigen Helfer gehört. So kam Dolly zu uns ins Haus.
Eigentlich heißt Dolly Husqvarna „Automover 220 AC“. Aber wer will sich einen solchen Namen merken? Dolly klingt viel schöner. Für mich entscheidend für den Rasenroboter Kauf waren das Herz (die Batterie), die Futterpausen (die Ladezeit) und – davon abhängig – der Appetit  von Dolly (die gemähte Fläche pro Tag), aber auch die angenehme Stimme (der niedrige Geräuschpegel) meines neuen Helfers.

Dolly ist ein „Rasenroboter“, wie die Fachleute sagen, denn Dolly macht alles von allein. Fast von allein, denn vorher muss man ihr die Grenzen  einrichten, muss ihr beibringen, wann und wie sie arbeiten soll, was sie beachten soll und wann sie abends wieder in ihren  Stall zu gehen hat.
Zur Bedienung hat Dolly nur zwei Schalter, ganz wenige Tasten und ein Display; Letzteres sehr schön groß, übersichtlich und selbsterklärend.

Kabel zeigen ihr die Grenzen.
Als Dolly kam, habe ich die Kabel, die ihr die Grenzen und den Heimweg zeigen, erst einmal auf dem Rasen verlegt. Drei Wochen später dann, mit ein paar Korrekturen und wenigen Spatenstichen, ein paar  Zentimeter unter den Rasen. Alle diese Arbeiten zusammen waren in vier Stunden getan. Der Platz unter dem Rasen ist mir sicherer. Ich denke da an die Kinder, an die Harke, wenn im Herbst das Laub beseitigt wird, und an das Vertikutieren im Frühjahr. Fleißig, genügsam und leise. Dolly ist tatsächlich kaum zu hören. Kein Nachbar könnte sich sonntags über sie beklagen. Inzwischen hält Dolly unseren Rasen kurz
und ist dabei so geduldig und anspruchslos wie ein Schaf. Aber weil Dolly doch kein Schaf ist, hinterlässt sie auf unserem gepflegten Rasen auch keinen Kot. Eigentlich hinterlässt sie gar keine Spuren, sie hält nur den Rasen kurz. Eben wie ein Schaf. Darum heißt Dolly eben Dolly.

Dolly sieht schlecht.
Als Dolly ins Haus kam, war sie makellos schön, mit dunkelgrünem, glänzend glattem Fell. Schon nach drei Tagen hat ihr Aussehen arg gelitten. Ich merke, dass Dolly schlecht sieht. Sie stößt regelmäßig an, an den  Blumenkübeln, der Treppe und dem Stamm unserer Eiche. Das Anstoßen gehört zu ihren Eigenheiten, das wusste ich vorher. Aber die Blumenkübel haben Dolly schnell die Hüfte zerkratzt. So hat Dolly mit ihren Kratzern schon nach drei Arbeitstagen die Patina, wie man sie von einer Pariser Droschke nach jahrelangem Stadtverkehr kennt. Vielleicht bin ich auch nur, wie bei meinem Auto, penibel. Allerdings hatte Dolly auch einen stattlichen Preis, wie mein Auto. Aber für seinen Preis hat mein Auto heutzutage auch Abstandswarner, damit es eben nicht anstößt. Warum muss Dolly anstoßen, um zu wenden? Aber schließlich ist Dolly zum Arbeiten auf den Hof gekommen und nicht zur Modenschau.

Enkelkinder und der Hund.
Enkelkinder und Hund sehen Dolly erst als Spielgefährten. Einmal hat unser fünfjähriger  Enkelsohn Ted, trotz aller Warnungen, versucht, Dolly anzuheben. Da erstarrte Dolly wortlos, ihr  Mähwerk blieb einfach stehen. Als Ted dann von Dolly abließ, ging sie ihren Weg weiter.
Schließlich war Dolly für die Kinder uninteressant. Für Topsy, unsere Hündin, ist Dolly ein Fremder in ihrem Revier. Sie wird erst einmal pausenlos verbellt. Dann stellt sie sich Dolly in den Weg. Aber Dolly kommt ungerührt näher und näher, erst im letzten Moment springt Topsy zur Seite. So geht das ein paar Mal, bis Topsy schließlich verstummt und, den Blick auf Dolly gerichtet, mit aufgestellter Rute wedelt.  Das ist ihre Art, Entgegenkommen zu signalisieren und Haltung zu bewahren. Von Stund an wird Dolly
einfach ignoriert. Topsy geht ihr stumm aus dem Weg.
Vom abgeschnittenen Rasen sieht man wirklich nichts, so sauber grast Dolly. Das Schnittgut fällt an die Graswurzeln zurück, verrottet dort unmerklich und wird vom Rasen wieder aufgenommen. Eigentlich kann Düngung natürlicher nicht sein. Zusätzliches Rasendüngen können wir uns nun sparen. Der letzte Sommer war sehr wechselhaft. Doch weder durch morgendlichen Tau noch durch leichten Regen war Dolly zu stören. Nur bei strömendem Regen lassen wir sie im Stall, ein Handgriff genügt. Ist der Rasen wieder halbwegs trocken, kann Dolly wieder an die Arbeit. Doch jeder Sommer geht einmal zu Ende; so liegen die ersten gelben Blätter auf dem Gras. Dolly geht unbekümmert darüber hinweg. Auch über die Früchte unserer alten Eiche geht Dolly hinweg. Größere Äste, die der Sturm auf den Rasen geworfen hat, bewegen Dolly zur Umkehr. Bei den kleineren Ästen fürchte ich um die drei Schneidezähnchen von Dolly (die Messer); darum räume ich alle Äste lieber vom Rasen ab. Aber das musste ich früher vor jedem Rasenschnitt ebenso machen.

In fremde Gärten?
Dolly erzielt Aufmerksamkeit. Am Zaun bleiben die Leute stehen, zeigen auf Dolly, manche fragen. Ob dabei jemand vielleicht auch schlechte Absichten hegt? Doch Dolly ist mit einer PIN versehen, niemand könnte sie im fremden Garten zum Laufen bringen. Das sieht man Dolly von draußen
nicht an. Deshalb habe ich auch vorsichtshalber meine Unterlagen durchgesehen, schließlich habe ich eine Hausratsversicherung abgeschlossen. Rasenmäher sind in meinem Vertrag ausdrücklich als Hausrat benannt und somit eingeschlossen. Also kann Dolly auch arbeiten, wenn wir nicht zu Hause sind. Selbstverständlich sind die Gartentore dann verschlossen und wir können dank einer guten  Versicherung ruhig schlafen. Vor dem Winter habe ich Dolly natürlich ins Haus geholt. Ihre Krippe (die Ladestation) wurde vom Netz genommen und abgedeckt. Im Frühjahr kommt sie wieder auf den Rasen.
Inzwischen gehört Dolly zur Familie. Selbst Lucie hat sich mit Dolly angefreundet. „Der Rasen müsste wieder geschnitten werden“ und „Dann wäre auch noch das Schnittgut zu entsorgen“. … Ach ja, das war
früher. Aber wir vermissen beides nicht.

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